Dr. Google, Alexa und Co.

Digital-Kompass Verbraucherbildung

Digital-Stammtische im Doppelpack in München

Im Juni fanden in München zwei Digital-Stammtische mit dem schon bewährten Expertenteam Dr. Guido Steinke von der Verbraucher-Initiative e.V. in Berlin und einem zugeschalteten Experten sowie der EAM-Vorsitzenden Sabine Jörk in München als Moderatorin statt. Zugleich war sie „Gastgeberin“ des Digital-Stammtisches im Rahmen des Stützpunkts Digital-Kompass. Die technische Leitung lag bei Lilo Wendler.

Der erste Stammtisch griff das Thema Gesundheitsinformationen im Internet auf. Unter dem Spitznamen „Dr. Google“ wurde gefragt, wo man in diesem ausgedehnten Feld im Netz verlässliche Angebote und Informationen finden kann. Dem Digital-Stammtisch zugeschaltet war ein Experte aus Köln, vom dortigen Verbraucherschutzverein Gesundheitsladen. Dieser empfahl die Gesundheitsseiten von Sendern der ARD und der Verbraucherzentrale, wo man verlässliche und überprüfte Gesundheitsinformationen finden könne. Häufig seien Gesundheitsseiten nämlich von Pharmafirmen oder Versicherungen bereitgestellt. Man müsse daher immer ein kritischer Konsument bleiben und schauen, wer eine Seite betreibe und welches Interesse dahinterstecken könne. Klicken alsbald die Verpackungen von teuren Wundermitteln auf dem Bildschirm auf, ist das eindeutig. Aber oft sind die Seiten auch sehr seriös gestaltet und nicht gleich als anbieterorientiert wahrzunehmen. Angesprochen wurden auch Siegel auf diesen Seiten. Sie sollen geprüfte Qualität suggerieren. Jedoch bieten solche Siegel keine Garantie, dass die Informationen auf dieser Seite auch wirklich stimmen.

Der zweite Stammtisch fand im Rahmen der EAM-Mitgliederversammlung statt. Hier ging es mit dem aus Gießen zugeschalteten Wissenschaftler um die Sprachassistenten der großen Internetunternehmen, namentlich Alexa und Siri. Dabei ist es, ein Frauenverband darf das kritisch anmerken, auffällig, dass solche Auskunftsmaschinen gerne mit Frauennamen und computergenerierten Frauenstimmen belegt werden. Dienstbare Geister müssen wohl fraglos Frauen sein. Diese 24-Stunden-Assistentinnen, können nicht nur einfache sondern auch schon kompliziertere Anfragen beantworten und Aufträge ausführen.  Sie können auf Zuruf Musik aus dem Internet heraussuchen und abspielen, und zwar Opernarien genauso wie Popsongs, die Lautstärke regeln oder die Taschenlampe des Handys anschalten. Sie können auch den Weg von da nach dort heraussuchen und die Entfernung berechnen. Auch die Funktionen des Weckers können sie übernehmen und Telefonnummern wählen. Aber bekanntermaßen sind die Assistentinnen auch sehr große Datensauger, und weil sie über Sprachbefehle funktionieren, haben die Betreiberfirmen (google, Apple und Amazon vor allem) auch authentische Muster der Stimme und Sprechweise der BenutzerInnen. Nichtsdestotrotz erfreuen sich die bunten Zylinder oder Dosen einer wachsenden Beliebtheit und werden als Alltagsgegenstand in den Wohnzimmern häufiger.

Die Moderatorin sammelte jeweils zu Beginn schon Fragen, die den Experten gestellt und von diesen beantwortet wurden. In einer weiteren Stufe werden danach bei einem Digital-Stammtisch die Fragen frei gestellt. Da die Experten, mit denen das Projekt zusammenarbeitet, durchweg Fachleute sind und als Verbraucherschützer auf die Anbieter- und Produktneutralität verpflichtet, erreichen die Digital-Stammtische stets eine hohe Qualität der Informationen. Auch ist ein Digital-Stammtisch insofern günstig, als die Experten durch das Programm Verbraucherbildung Bayern angeboten werden. Der Nachteil liegt in der oft trickreichen Technik: Wird die Verbindung funktionieren? Ist das Bild wackelig, funktioniert der Ton? Ist einer der Teilnehmer übersteuert?  Geduld ist erforderlich und die technischen Kenntnisse des Gastgebers sowie der Experten. Und natürlich, der Experte ist nur zugeschaltet, wenngleich per Videotelefonie. Offenheit für Technik, vielleicht sogar ein wenig Begeisterung dafür, gehören also mit zur Ausrüstung. Moderator oder Moderatorin müssen nicht nur die Veranstaltung leiten, sondern sich vor allem mit der Technik auskennen und sich bei Pannen zu helfen wissen. Wenn alles funktioniert, ist aber ein spannendes Gespräch zu einem verbraucherrelevanten Thema der Lohn, so gewinnbringend wie ein kleines Kolleg.